„Sprung in die Neuzeit“

Smart Talk mit Heinz Hanen und Holger Müller von evohaus

Die evohaus GmbH aus Karlsruhe setzt bei ihren Neubau- und Sanierungsprojekten auf innovative Ideen und die Schonung von Energieressourcen. Das Unternehmen errichtet bundesweit energieautarke Quartiere.

In Mannheim entsteht in der Abraham-Lincoln-Allee ein Wohnquartier, das in vielerlei Hinsicht Maßstäbe setzt. Hier baut evohaus Wohnraum auf einem ehemaligen Militärgelände. Teil des innovativen Konzepts sind die neuen Kern 24/7 Smart Terminals. Zum Einsatz kommt die Home-Variante, die mit allen Einsatzmöglichkeiten den Bewohnern in dem neuen Quartier zur Verfügung stehen wird. Auf dem Grundstück entstehen auf der fast 29.000 Quadratmeter großen Fläche 316 Wohneinheiten in 22 neuen und 3 Bestandsgebäuden.

Wir haben mit Architekt und evohaus-Geschäftsführer Heinz Hanen (Foto links) und dem Büroleiter von HANEN
Architekten Holger Müller (Foto rechts) über die Ziele ihrer Arbeit im Allgemeinen, über das Projekt in Mannheim im Speziellen und die Vorteile der 24/7 Smart Terminals gesprochen.

Herr Hanen, evohaus ist schon seit zwei Jahrzehnten Vorreiter für Energie sparendes Bauen. Woher kommtdieser Ansatz?
Als Architekt hat man eine gesellschaftspolitische Aufgabe. Man baut nicht nur ein Haus oder eine Stadt, sondern setzt auch einen Fußabdruck, der idealerweise über 100 Jahre zu sehen ist. Unser Anspruch ist die Maximierung von Annehmlichkeiten bei völliger CO²-Freiheit, also ein Leben ohne fossile Energien. Wir befinden uns in der Steinzeit und wagen den Sprung in die Neuzeit.

Herr Müller, Sie verantworten die konkrete Planung. Wie erfüllen Sie die Anforderungen, die Sie an sich selbst stellen und die auch Ihre Kunden von Ihnen erwarten?
Unser Ziel ist die perfekte Kombination von energetischen Anforderungen und architektonischen Ansprüchen.
Was heißt das konkret?
Wir bauen CO²-freie Städte und stehen für eine CO²-freie Energieversorgung. Die Dachflächen in Mannheim sind so gestaltet, dass die benötigte Energie direkt dort produziert wird. Entscheidend ist eine optimale Lichtausbeute. Die Kraftwerke stehen sozusagen auf dem Dach. Wir integrieren intelligente Energiesysteme und müssen dabei immer die maximale Nutzung von erneuerbaren Energien erreichen.

Wieso sind die Smart Terminals Teil Ihres Ansatzes?
Heinz Hanen: Gerade Einkäufe und kleinere Besorgungen bedingen eine hohe individuelle Fahrleistung. Wenn wir von einer CO²-freien Gesellschaft reden, müssen wir uns auch der Frage stellen, wie wir die Zahl der Fahrbewegungen senken können. Hier ist man als Planer dann gefordert, entsprechende Lösungen zu finden. Wenn also ein Lieferdienst ohnehin seine Tour fährt, dann sollte man das nutzen. Daher sind die Terminals von Kern dafür der richtige Ansatz. Für das Projekt in Mannheim sind die Terminals zudem ein Alleinstellungsmerkmal.

Was kann zu einem Lösungsansatz noch dazugehören?
Das kann auch eine eigene elektromobile Fahrzeugflotte für Carsharing sein. Wichtig ist aber vor allem: Da immer mehr Menschen online bestellen, müssen wir darüber nachdenken, wie die Lieferung direkt am Haus jederzeit angenommen werden kann, um ein wiederholtes Anfahren des Lieferdienstes zu vermeiden.

Wieso macht man sich schon bei der Planung eines solchen Großprojektes Gedanken über diese Details?
Unsere Kunden sind meist in einem Alter, in dem man sich fragt: Wie kann ich so lange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben? Stichwort Barrierefreiheit. Wir sind daher gefordert, möglichst viele Vorkehrungen zu treffen, die diesem Anspruch gerecht werden und dann im nächsten Schritt in unsere Planungen miteinzubeziehen. Deshalb sorgen wir zum Beispiel für eine reibungslose Zufahrt für Lieferdienste, auch das ist Barrierefreiheit.

Was sind die übergeordneten Ziele, die Sie zum Beispiel auch in Mannheim verfolgen?
Die Gesellschaft an sich soll in eine CO²-freie Gesellschaft umgebaut werden. Unser Standort Mannheim ist daher in ein Bundesforschungsvorhaben zur Integration von Speichertechnologien eingebunden, Elektromobilität ist hier ein wesentlicher Baustein.

Wie gelingt es, die Menschen von Ihren Zielen zu überzeugen?
Wir müssen immer über die maximale Nutzung von Umweltenergien nachdenken und für unsere Kunden geht es natürlich auch ums Geld sparen. Und je mehr Umweltenergien eingesetzt werden umso mehr spart man.

Richten wir den Blick nach vorne: Wohin muss zukünftig die Entwicklung gehen?
Nach vorne geblickt, wollen wir die gesamte Region Karlsruhe energetisch vernetzen. Das Ganze in Verbindung mit sozialem Wohnungsbau und Elektromobilität.

Hinter all dem steckt auch eine soziale Komponente und unser Anspruch, dass alles bezahlbar ist. Außerdem wollen wir die Bedeutung der Gemeinschaft ins Bewusstsein rücken und stellen uns die Frage, wie man diese stärken kann. Ein Lösungsansatz liegt darin, den Autoverkehr „nach unten“ zu bringen, also unter die Erdoberfläche. Der dadurch frei werdende Platz ermöglicht breitere Wege und größere Plätze, die für die Bewohner eine besondere Aufenthaltsqualität direkt im Quartier schaffen.

Was bringt das für Vorteile?
Durch die gemeinsame Identität entsteht eine Art Kit innerhalb der Gemeinschaft. Mit unserer Arbeit können wir entscheidend dazu beitragen.

Wie ist der Zeitplan bei ihrem Projekt in Mannheim?
Baubeginn war im Jahr 2016. Ende 2017 werden die ersten 30 Wohneinheiten fertiggestellt, bis Mitte 2018 sind weitere 100 bezugsbereit. Die Smart-Terminals werden mit Fertigstellung der ersten Wohneinheiten installiert sein.

Herr Hanen, Herr Müller, wir bedanken uns für das Gespräch.

www.evohaus.com | www.hanen-architekten.de